Neu in der ARD: Schwurbel-Spaß mit Alice Weidel
Veröffentlicht am: 13.08.2025
Es ist schon ziemlich paradox: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR), den die AfD laut eigenem Grundsatzprogramm abschaffen oder zumindest stark finanziell einschränken möchte, bietet den Rechtsextremen laufend eine große Bühne. Selbst nach dem Urteil des Bundesamtes für Verfassungsschutz vom 02.05.2025, nach dem die AfD als „gesichert rechtsextrem“ gilt, bietet offenbar bei keinem Verantwortlichen des ÖRR Anlass, den eigenen Umgang mit der Partei auch nur geringfügig zu ändern. Noch am selben Tag ließ man zu, dass Beatrix von Storch in einem Brennpunkt der ARD gegen den Verfassungsschutz wettern konnte. Darüber hinaus lud man am 20.07.2025 die Parteichefin Alice Weidel zum Sommerinterview ein. Der ÖRR macht also einfach munter weiter, als ob nie etwas gewesen wäre.
Die Selbstverständlichkeit, mit der Markus Lanz, Caren Miosga, Sandra Maischberger und viele weitere Moderator*innen alle möglichen AfD-Politiker zu einem netten Tässchen Tee in ihre Wohnzimmer einladen, ist schon bemerkenswert. Die Talkshow-Redaktionen des ÖRR begründen die Teilnahme der AfD an solchen Formaten oft mit der „Ausgewogenheit der Meinungen im öffentlichen Diskurs“. Logisch – Verfassungsfeinden muss man schließlich immer genau zuhören und sie um jeden Preis ausreden lassen. Selbstverständlich auch ohne Faktencheck, denn dies wäre ja ein Affront gegen die Meinungsfreiheit! Die Demokratie muss schließlich jede Meinung tolerieren, egal wie abstrus oder undemokratisch sie ist!
Moment mal…
Die hochheilige Ausgewogenheit des ÖRR bedeutet also in erster Linie, dass Antidemokraten dieselbe Bühne und dieselbe Sendezeit bekommen als Demokraten? So verschiebt sich die Diskussion immer weiter von „Welche Partei bietet die besten Lösungen in unserer Demokratie?“ in Richtung „Bietet unsere Demokratie überhaupt Lösungen an oder kann man sie heutzutage einfach komplett in Frage stellen?“. Da fehlt eigentlich nur noch, dass das ZDF eine neue Folge Aspekte mit dem Titel „Demokratie – Kann das weg?“ produziert. Dann könnte man 45 Minuten lang zuhören, wie Maximilian Krah und Robin Alexander über die Sinnhaftigkeit der Demokratie diskutieren – spannend!
Wie absurd diese sogenannte „False Balance“ ist, die der ÖRR betreibt, liegt eigentlich auf der Hand. Wird zum Beispiel eine Sendung zum Thema „Klimaschutz“ gemacht, geht es gar nicht mehr darum, welche Klimaschutzmaßnahmen die besten und effektivsten sind. Nein – heutzutage diskutieren ein Klimaforscher und Beatrix von Storch darüber, ob der Klimawandel überhaupt existiert oder ob man nicht lieber die Sonne verklagen müsse. Vom völlig überforderten ÖRR-Moderator kommt dabei herzlich wenig Substanz, höchstens ein „Frau von Storch, finden Sie, dass es in Deutschland wärmer wurde?“. So eine Diskussion bildet natürlich in perfekter Weise die gesellschaftliche Debatte ab – ein gebildeter Experte und eine desinformierte Rechtsextre0mistin, die mal eben aus dem Jahr 1940 eingeflogen ist. Klassisches 50:50 eben.
Auch bei der Themensetzung nimmt der ÖRR die AfD sehr ernst, was man im vergangenen Bundestagswahlkampf äußerst eindrucksvoll sehen konnte. Wir alle erinnern uns an das Zitat von Maybrit Illner beim Kanzler-Duell zwischen Olaf Scholz und Friedrich Merz zur vergangenen Bundestagswahl 2025: „Wir müssen aber mit Blick auf die Uhr unbedingt noch schaffen, über die Abschiebungen zu reden.“ Abschiebungen sind ja auch ein unfassbar wichtiges Thema, das in einem TV-Duell total oft angesprochen werden muss – auch, wenn direkt zuvor bereits 23 Minuten lang über Migration gesprochen wurde. Seltsam nur, dass bei der gesamten Migrationsdebatte im ÖRR fast nie Menschen mit Migrationsgeschichte im Studio mitdiskutieren können, aber Hauptsache, man hat Alice Weidel ausreden lassen. So geht demokratische Verantwortung!
Der ÖRR, der als wichtigster Grundpfeiler der Demokratie gilt, erfüllt eben diese demokratieerhaltende und demokratieschützende Funktion fundamental nicht. Stattdessen normalisiert er die AfD, macht sie salonfähig und stellt selbst die absurdeste verfassungswidrige Meinungsäußerung als eine vertretbare Position im demokratischen Meinungsspektrum dar, die man einfach vollkommen gedankenlos neben den Meinungen informierter Demokrat*innen und Expert*innen präsentieren kann. Die Botschaft dahinter ist: Man kann einfach alles behaupten, beim ÖRR wird das unkritisch in jede Polit-Sendung integriert. Wenn das so weiter geht, läuft in der ARD bald statt dem „Schlager-Spaß mit Andy Borg“ der „Schwurbel-Spaß mit Alice Weidel“.
